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Anleger fragen - Björn Jesch antwortet

An dieser Stelle beantwortet Chief Investment Officer (CIO) Björn Jesch aktuelle Anlegerfragen zum Kapitalmarktgeschehen der Woche.

Im Zuge der Griechenland-Thematik geraten Spanien und Italien immer stärker unter Druck. Hat ein Euro-Zusammenbruch an Wahrscheinlichkeit zugenommen?
Die Ansteckungsgefahren, die von einem möglichen Euro-Austritt Griechenlands ausgehen würden, sind natürlich schwer kalkulierbar. Die Europäische Zentralbank (EZB) versorgt den Bankensektor auch weiterhin mit ausreichend Liquidität und kann mit Zinssenkungen unter die 1%-Marke weitere geldpolitische Unterstützung leisten. Die Europartner beobachten die Situation sehr genau und sind wie am Beispiel Spaniens bereit, bei erkennbarem Reformwillen Hilfskredite zu gewähren. Der europäische Rettungsschirm besitzt noch Feuerkraft, um bei einer erneuten Eskalation beruhigend eingreifen zu können. Diese Voraussetzungen in Kombination mit den eingeleiteten Strukturreformen, insbesondere in Spanien, dürften längerfristig für eine Rückkehr des Vertrauens in den Euro und den Staatenverbund sorgen. 

Inflation oder Deflation - wie werden sich die Preise zukünftig entwickeln?
Das schwache wirtschaftliche Umfeld in der Eurozone dämpft inflationäre Tendenzen. Zusätzlich hat der Druck von den Rohstoffpreisen spürbar nachgelassen. Die teilweise tiefen Rezessionen in einigen europäischen Peripherieländern lassen derzeit sogar Ängste vor deflationären Entwicklungen wie in Japan aufkommen. In Summe erwarte ich in den nächsten Jahren weder Inflationsgefahren noch ein Abgleiten in eine Deflation. Vielmehr dürfte sich die Inflationsrate in Deutschland und dem Euroraum insgesamt um die 2% und damit in einer für die EZB und die Finanzmärkte angenehmen Größenordnung bewegen.

Was empfehlen Sie konservativen Rentenanlegern?
Nicht nur, weil das Vertrauen in die Solvenz der Eurostaaten immer weiter zurückgeht, empfehle ich meinen Kunden schon seit vielen Jahren Unternehmensanleihen. Auch wenn sich diese Corporate Bonds seit 2009 sehr positiv entwickelt haben, würde ich sie auch weiterhin Staatsanleihen vorziehen. Die Ertragslage ist komfortabel, die Bilanzen sind gesünder denn je. Die Unternehmen profitieren vom Niedrigzinsumfeld, da es ihre Zinslast mindert. Für Investoren sind Unternehmensanleihen eine der wenigen Möglichkeiten, bei überschaubarem Risiko einen positiven inflationsbereinigten Ertrag zu erwirtschaften. Ich rate aber zu einer detaillierten Analyse und einem professionellen Management, was unter anderem den Zugang zu Neuemissionen ermöglicht.

Warum sollte ich in einem solch unsicheren Marktumfeld in Aktien investieren?
Aktien litten in den letzten Wochen natürlich unter der Unsicherheit um Griechenland, Spanien und Co. Die Kursrückgänge haben die ohnehin schon niedrigen Bewertungen nochmals attraktiver gemacht. Die Dividendenrenditen bieten auf den aktuellen Kursniveaus einen komfortablen Puffer gegen weitere Marktschwankungen. Längerfristig sprechen diese Faktoren im Zusammenspiel mit einem aktienmarktfreundlichen Inflationsumfeld und einem soliden globalen Wirtschaftswachstum für Potenzial an den Aktienmärkten. Speziell deutsche Unternehmen mit vergleichsweise hohen Geschäftsaktivitäten in den USA und den Emerging Markets wie China erscheinen chancenreich, da die steigenden Umsätze in diesen Regionen den schwächeren innereuropäischen Handel kompensieren können. Die Bewertungen sind im historischen Vergleich sehr niedrig. 

Sollten Anleger aus dem Euro in andere Währungen flüchten?
Flucht ist sicherlich das falsche Wort. Ich glaube an den Euro und seinen Bestand für Deutschland und die meisten anderen Euroländer. Ich empfehle meinen Kunden dennoch, einen Teil ihres Vermögens in anderen Währungen anzulegen. Es ist weniger die Angst vor einem Scheitern oder Auseinanderbrechen des Euro, sondern vielmehr eine Möglichkeit, das Gesamtrisiko durch ein diversifiziertes Portfolio zu senken und zusätzliche Ertragsquellen zu identifizieren. So sind der US-Dollar bzw. der Hongkong Dollar und der chinesische Renminbi aufgrund enger Koppelung an den US-Dollar traditionell Währungen, die in Krisenzeiten als "Fluchtwährungen" profitieren können. Längerfristig empfehle ich neben der Norweger-Krone vor allem mexikanische Peso und polnische Zloty aufgrund des soliden Wirtschaftswachstums, niedriger Verschuldung und des attraktiven Zinsniveaus. Aufwertungspotenzial sehe ich ebenfalls bei der türkischen Lira und dem südafrikanischen Rand.


Frankfurt am Main, 15. Juni 2012


Björn Jesch ist Leiter der Vermögensverwaltung und Chief Investment Officer des Private Wealth Managements (PWM) der Deutschen Bank in Deutschland.

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